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REISEBERICHT

Vom Río de la Plata durch Patagonien in die Anden

Unser Geschäftsführer Josef Miller "erfuhr" im letzen Herbst 3 Wochen lang die Bahnschienen unserer Bahnreise "Vom Río de la Plata durch Patagonien in die Anden".
Hier ein kleiner Auszug aus seinem Erfahrungsbericht:  

Sternenhimmel nach dem Tango.  
 
Die ersten 8 Stunden einer unvergesslichen Rundreise vom Rio de la Plata durch Patagonien in die Anden.  

An meine Heimat Deutschland habe ich nur noch einmal, zu Beginn meiner dreiwöchigen Rundreise durch Südamerika, gedacht: Was hätten wohl deutsche Fahrgäste für einen Aufruhr veranstaltet, wenn der Zug, den sie gebucht haben, mit einer Verspätung von rund drei Stunden abfahren würde. Wahrscheinlich wären sie erbost und ziellos umher gelaufen, einige hätten das unschuldige Bahnpersonal beschimpft, oder ihrem Ärger auf andere Weise Luft verschafft . . .  
Hier in Argentinien, auf dem Bahnhof von Luijan, einer beschaulichen Kleinstadt bei Buenos Aires, kümmert sich kein Fahrgast um eine dreistündige Verspätung. Abfahrt: 8 Uhr ist nichts weiter als eine Zahl. Dann fährt der Zug eben um 11 Uhr ab, no importa . . .  

Ich betrete also um 11 Uhr das Zugabteil und sitze bald allein unter Einheimischen. Indio-Frauen in bunter Landestracht, Bauern mit faltigen, wettergegerbten Gesichtern, modern gekleidete junge Frauen und Männer mit vielen Kindern um sich herum. Sie mustern mich kurz und freundlich, einen nicht mehr ganz jungen Señor, der bestimmt aus dem fernen Europa kommt und fahren dann mit ihren Plaudereien fort. Die Geräuschkulisse aus Stimmen, Dialekten und Stimmungen ist überwältigend. Jetzt fühle ich mich heimisch, wie in allen meiner unzähligen vorherigen Reisen durch den südamerikanischen Kontinent.  

Stil hat man. Oder nicht!  
 
Mein Magen meldet sich. Ich spüre schon den Geschmack eines saftigen argentinischen Steaks auf meiner Zunge. Ich suche den Restaurantwagon und finde ein Tangolokal im Stil der 30er Jahre. Kunstvoll gearbeitete alte Holzstühle, sonnengebleichte Fensterverkleidungen und eine Getränkewand hinter der Bar mit zahlreichen unbekannten Whiskey, Champagner und Cognacmarken. Ich finde einen Platz und der Ober kommt an meinen Tisch. Nein, es ist kein Ober, sondern ein stolzer Caballero, stilvoll gekleidet in Frack und Fliege. Beide Kleidungsstücke besitzen gewiss das gleiche Alter wie die gesamte Einrichtung. Auch die Hose zu dem Frack ist ausgebleicht, das Hemd darunter schimmert leicht gelb. Der würdevolle stolze Gang des Obers macht diese Mängel jedoch wett. So muss wohl ein pensionierter argentinischer Offizier in den 30er Jahren ausgesehen haben, der sich als Miet-Tangotänzer in den Tanzhallen von Buenos Aires ein Zubrot zu seiner schmalen Offiziersrente verdienen konnte.  
Der Ober bringt mein Steak und ich versuche es zu schneiden. Nicht ganz einfach, weil das Restaurant schaukelt wie ein Boot bei Windstärke 8. Ich muss den Teller festhalten, aber immer wenn das Restaurant sich in die Gerade schaukelt, gelingt mir ein guter Schnitt durch das saftige Fleisch. Das Steak schmeckt sensationell, es ist das beste Steak das ich jemals gegessen habe. Und das für ganze 3 Euro!  

Tango und Sternenhimmel.  
 
Der Restaurantwagon füllt sich nach und nach. Reisende jeden Alters nehmen Platz. Es ist ein buntes Volk, das ich zu sehen bekomme. Menschen jeder gesellschaftlichen Schicht, die völlig unbefangen miteinander umgehen. Dann plötzlich holt ein Mann mit markantem Gesicht ein Akkordeon hervor und fängt an zu spielen. Ich kann nicht lange sitzen bleiben, denn bald stürmt eine stattliche Dame in landestypischer Tracht und dunklen, funkelnden Augen zu mir heran: Damenwahl! Ich darf und kann nicht kneifen. Diesmal nicht und auch später nicht, wenn die Tangopartnerinnen wechseln . . .  

Doch plötzlich, ein Ruck und der Zug steht still. Der Musiker legt das Akkordeon zur Seite, die Tanzpaare gehen auseinander und alle verlassen den Zug . Es ist 3 Uhr früh, eine angenehm kühle Luft empfängt uns im Freien. Und ein überwältigender Sternenhimmel, zu dem die gesamte Reisegesellschaft hoch schaut. Niemand sagt ein Wort, es ist mucksmäuschenstill, nur ein leichter Wind ist zu hören. Ich weiß nicht mehr genau, welches Gefühl mich umfängt, ich werde diesen langen Moment jedoch nie vergessen.  

Was danach kam? Ich könnte über meine 3-wöchige Rundreise mehr als einen Roman schreiben. Noch besser ist es jedoch, Sie finden ihr eigenes Südamerika-Gefühl. Näheres zu der Reise, die ich persönlich ausgewählt und getestet habe im aktuellen Katalog Bahnreisen 2006/2007.

Veröffentlicht am: 05.03.2007





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